Künstler

Sabine Neuhaus

"Sprung in den Brunnen"

Papier, Stärke und Gänsedaunen, 2009

"Sowohl die Wahrheit, als auch die Bilder sind bereits in uns." - Sabine Neuhaus

"Sprung in den Brunnen" lehnt an das Grimmsche Märchen "Frau Holle" an. Bekanntlich müssen in dem Märchen die beiden Stiefschwestern Prüfungen bestehen, die einem Läuterungs- und Reifungsprozess gleichkommen.
Auf rotem Transparentpapier verdichtet Neuhaus in den angestrahlten Bildreliefs abstrakte Formen aus miteinander verbundenen Flips, wie wir sie als Füllmaterial zur Absicherung von Transportgut kennen. Sie bestehen aus Kartoffelstärke, womit sie zum lebenserhaltenden Sinnbild von Nahrung werden. Durch den Speichel von Sabine Neuhaus benetzt, haften sie auf dem Bildträger und werden zu unterschiedlichen Formen angeordnet. Inspiriert von Insektenund Vogelnestern, übersetzt die Künstlerin diesen Arbeitsprozess seit längerem zur Gestaltung ihrer archaisch-skulpturalen Objekte. Stets spielt in den hierbei entstandenen offenen Gefäßschalen das Motiv des Schutzes und der Behausung als symbolischer Verweis auf das Leben, ebenso wie die Möglichkeit zur stillen inneren Kontemplation, eine sinnstiftende Rolle.
Die für das Brücken-Festival entwickelte Arbeit knüpft an diese Metaphorik an. Denn auch das Motiv des Brunnens verbindet in diesem Zusammenhang eine Vielzahl von Bedeutungsebenen. So verweist der Brunnen auf das Wasser als Quell des Lebens und wird zum "Jungbrunnen", ebenso auf das Grimmsche Märchen, indem er den Läuterungsprozess einleitet.
Barbara Hofmann-Johnson (Auszug)